Förderung des Erbes

Zemlinsky und die Nachwelt / II


"Meine Zeit kommt nach meinem Tod."
Zemlinsky zu seiner Frau Louise

Louise Zemlinsky hat nach dem Tod ihres Bruders und ihres Mannes einen weiteren bestürzenden Schicksalsschlag erleben müssen. 1945 wurde ihr in einem Telegramm mitgeteilt, dass ihre Mutter und ihre Tante höchstwahrscheinlich im KZ ermordet wurden.

Nun ganz auf sich allein gestellt, unternahm sie schon in den 40er Jahren Versuche, in der Musikwelt für Zemlinskys Werke zu werben, doch die Resonanz war entmutigend. Louise, die seit 1945 wieder in New York lebte, widmete sich wieder ganz dem Gesang und der Malerei. Erst mit der schrittweisen Wiederentdeckung Zemlinskys seit Ende der 60er Jahre wurde das Erbe ihres Mannes mehr und mehr zu ihrer Lebensaufgabe. Mit großer Energie setzte sie sich bis ins hohe Alter dafür ein, dass die Erforschung und Aufführung seiner Musik insbesondere auch in urheberrechtlicher Hinsicht eine seriöse Basis hatten und große Breitenwirkung entfaltete. Maßgebliche Hilfe wurde ihr dabei vom Österreichischen Kulturinstituts und dessen damaligem Leiter Peter Marboe zuteil. Dieser sorgte auch dafür, dass 1985 auf Louise Wunsch Zemlinskys Urne überführt und in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt wurde.

 

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Zemlinskys neues Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof. Auf Veranlassung des Alexander-Zemlinsky-Fonds schuf 1994 der Prager Künstler und langjährige Professor an der Wiener Kunstakademie Josef Symon einen Grabstein, dessen Form von dem Buchstaben "Z" inspiriert ist. Die Fünfteilung der Skulptur spiegelt aber auch die fünf Lebensstationen Zemlinskys.

Im Mittelpunkt aber stand das Bedürfnis, die Förderung des Erbes langfristig und institutionell zu sichern. So spendete sie einen größeren Betrag dem College of Music bei der University of Cincinnati. Die Spende floss in die Einrichtung eines Kompositions- und eines Instrumentalistenwettbewerbs, die beide Zemlinskys Namen tragen und seit den 90er Jahren an diesem Institut ausgetragen werden, an dem mit Walter Levin lange Zeit ein großer Verehrer Zemlinskys lehrte. Die bedeutendste Initiative Louises aber war die Einrichtung des Alexander-Zemlinsky-Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, der mit Hilfe einer größeren Spende aus ihren Mitteln 1989 in Wien gegründet wurde. Zweck des Fonds, dessen Vorsitzender Peter Dannenberg ist, ist die "Förderung und Verbreitung der Werke Alexander Zemlinskys sowie die Auseinandersetzung mit seinem Leben, seinem Wirken und seinen Werken." Zum Fondskomitee gehören außerdem Gerd Albrecht, Thomas Angyan, Christoph von Dohnányi, James Levine, Peter Marboe und Peter Ruzicka.

1992 starb Louise in New York. Sämtliche Rechte an der Musik Zemlinskys gingen nun an den Fonds über. Wien hat es Zemlinsky zeit seines Lebens nicht leicht gemacht. Jetzt aber, 50 Jahre nach seinem Tod, hatte sein Erbe zumindest sein "logisches Zuhause" (Peter Marboe) gefunden.



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Louise Zemlinsky im hohen Alter, undatierte Fotografie.