Schülerin, Muse und Geliebte

Zemlinsky und Alma Mahler-Werfel


"Ich will dich – mit jedem Atom meines Fühlens."

Zemlinsky an Alma

Im Februar 1900 lernte Zemlinsky auf einer Abendgesellschaft Alma Schindler kennen, die spätere Frau Gustav Mahlers, Franz Werfels und Walter Gropius'. Bereits zwei Wochen zuvor hatte die 21-Jährige Zemlinsky erlebt, als er im Musikverein die Uraufführung seiner Kantate "Frühlingsbegräbnis" dirigierte. Zwischen der attraktiven und parkettsicheren Alma und dem zurückhaltenden Zemlinsky entwickelte sich bald ein intensives Verhältnis. Nachdem Alma ihm einige ihrer Lieder gezeigt hatte, verkehrte er zunächst regelmäßig im Hause von Almas Stiefvater Carl Moll als ihr Kompositionslehrer. Doch ab Herbst 1900 ging es um mehr als um den Unterricht. Zemlinsky und Alma Schindler begannen eine ebenso heftige wie problematische Liebesbeziehung, die bis zum folgenden Herbst andauerte, als Alma Gustav Mahler begegnete und wenig später heiratete. Ihre Tagebücher und Zemlinskys Briefe dokumentieren die Leidenschaft dieser Beziehung – und warum das ungleiche Paar nicht zusammenkommen konnte. Alma bewunderte die Musik und den Geist Zemlinskys und erlag seiner großen erotischen Ausstrahlung, konnte sich jedoch nie mit seinem Äußeren und seiner Herkunft aus "kleinen" Verhältnissen identifizieren – schon gar nicht in der für sie so wichtigen Öffentlichkeit und gegenüber ihren Eltern, die Zemlinsky von Anfang an nicht akzeptierten. Zemlinsky seinerseits liebte Alma abgöttisch, war aber angewidert von der Eitelkeit der Salons und von den "von Cliquentum verkalkten Seelen" (Zemlinsky), mit denen sie verkehrte. Er erträumte sich "ein kleines gedämpftes Zimmerchen, recht behaglich", in dem er mit Alma "nach der Arbeit zusammen sein" wollte – ein Bild, in das eine der seinerzeit begehrtesten Frauen Wiens so gar nicht passte. Nach Almas Heirat mit Mahler brach der Kontakt zwischen beiden zunächst ab; nach 1903 kam es aber wieder zu regelmäßigen Briefwechseln und Begegnungen.

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Alma Mahler, Fotografie um 1920. Auch viele Jahre nach ihrer Liebesbeziehung löste die Begegnung oder Kommunikation mit Alma Mahler besondere Gefühle in ihm aus. Als sich Alma 1917 negativ über Zemlinskys Oper "Eine florentinische Tragödie" äußerte, reagierte er mit einem seiner rhetorisch brillantesten Briefe voller Schärfe und Emotion.
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Alexander Zemlinsky, Seite aus dem Manuskript des Klavierauszugs zur Kantate "Frühlingsbegräbnis" für Sopran, Bariton, Chor und Orchester (Text: Paul Heyse). Zemlinsky komponierte sie 1896, vollendete die Instrumentation aber erst nach Brahms' Tod im April 1897. Auf dem Titelblatt ist vermerkt: "dem Andenken Johannes Brahms' gewidmet." Bei der Uraufführung sah Alma Schindler zum ersten Mal Zemlinsky, der die Kantate selbst dirigierte.